Reisebericht Tonga

Reisebericht Südseetraum Tonga - das Insel-Königreich Tonga in Polynesien.

Uoleva

Die persönlichen Südsee-Erfahrungen des Globetrotters Helmut Möller

Unmittelbar nach seiner Rückkehr von einer siebenwöchigen Globetrotter-Reise in das sagenhafte Südsee-Königreich Tonga verfasste unser Autor Helmut Möller diesen Reisebericht auf der Website www.umdiewelt.de, weil er zu diesem Zeitpunkt noch keinen eigenen Internet-Auftritt hatte. Jetzt ist er hier in voller Länge zu lesen!

Ich denke, dass dieser Bericht ein guter Einstieg in das Thema Südsee für alle Diejenigen ist, die von einem Südsee-Abenteuer mit menschenleeren, palmenumsäumten Stränden träumen oder gar eine Reise dorthin planen.

Der Schwerpunkt in diesem Reisebericht liegt auf den Reportagen der persönlichen Erlebnisse und Erfahrungen unseres Autors - als feine Ergänzung für einen ersten Foto-Überblick empfehlen wir unsere  Bildergalerie

Lesen Sie jetzt in diesem Reisebericht von den persönlichen Reise-Erfahrungen und durchstandenen Abenteuern einer siebenwöchigen, komplett selbst organisierten Südseereise.

Uoleva

Reisebericht Tonga

Erfüllung eines Kindheitstraums

Verdammt lang ist's her! Ein kleiner Junge war ich - aber auch heute weiß ich noch genau, wie der Buchumschlag aussah. Obwohl ich noch nicht lange lesen konnte ...ein Buch habe ich so richtig verschlungen - Robinson Crusoe von Daniel Dafoe.

Und dann - jahrzehntelang geträumt von den spannendsten Abenteuern in der tropischen Südsee.

'Träume nicht Dein Leben - Lebe Deinen Traum!'

Ist ja auch egal, wer diesen Spruch erdacht hat. Recht hat er!

Als ich im vergangenen Jahr nach gut 43 Jahren im Job - endlich - in den Ruhestand ging, war aus dem Traum ein gut durchdachter Plan geworden und ...alles bestens vorbereitet. Das Ziel festgelegt, Flugtickets besorgt, der Rucksack gepackt!

Das Königreich Tonga. Bei uns bekannt geworden, durch seinen schwergewichtigen, deutschfreundlichen König - einem Bismarck-Kenner. Und durch seine wirklich abgelegene geografische Position an der Datumsgrenze - auf der anderen Seite unseres Planeten.

Tonga besteht aus vier Haupt - Inselgruppen. Tongatupu, Ha'apai, Vava'u und die Niuas, mit insgesamt 171 Inseln und einem gesamten Landgebiet von 688 Qkm.

Da die Niuas selten angeflogen werden und auch kleine Frachtschiffe nur gelegentlich dorthin fahren, habe ich auf dieser Reise die gut erreichbaren Archipel Tongatapu, Ha'apai und Vava'u besucht. Insgesamt elf Inseln und Inselchen - vom Feinsten!

Im Flieger halb und die Welt und über die Datumsgrenze

Zwei Tage, bevor es losgehen soll - ein ' Hexenschuß '. Ich kann mich so gut wie nicht bewegen und ...Schmerzen, oh.

Aber, durchhalten. Wie war das mit den Indianern? Meine liebe Uschi bringt mich tapfer zum Flughafen Hannover. Für insgesamt acht Wochen wollen wir per eMail Kontakt halten, wenn es denn geht.

Auf dem Airport Frankfurt umsteigen in den Lufthansa-Jumbo direkt nach Los Angeles, Kalifornien. Das Sitzen ist eine schmerzende Qual, zur Ablenkung lese ich spannende 1000 Seiten ' Der Schwarm ' von Frank Schätzing. 11.000 m über den Faröern sind aus dem Fenster grüne, felsige Inseln zu erkennen. Von Island schneebedeckte Gipfel und Gletscher. Das Gleiche beim Überflug von Grönland. Dann vor Kanada Eisberge. Lang zieht sich der Flug, erst nach zwölf Stunden landen wir auf LAX, dem riesigen internationalen Airport von L.A. Viereinhalb Tage mache ich Stopover hier, aber das ist eine andere Story

Spät abends besteige ich die Boeing von Air New Zealand. Wir fliegen nachts, kuriose Zeitverschiebungen. Insgesamt wieder 12 Stunden in der Luft. Kurz vor der einstündigen Zwischenlandung in Apia auf Samoa überqueren wir den Äquator - für mich das erste Mal. Im Morgengrauen schon einmal Südseeluft schnuppern, der Flughafen Apia liegt direkt am Pazifik. Kurz vor der Landung auf dem Airport TBU von Tongatapu noch die internationale Datumsgrenze.

Zu Fuß übers Rollfeld, als Erster schaffe ich es durch die lässige Abfertigung. Südsee olé - hier bin ich! Was nun?

Nuku Alofa

Die Hauptstadt Nuku'Alofa

Für die halbstündige Fahrt, Linksverkehr übrigens, nach Nuku'Alofa bekomme ich einen Lift auf der Ladefläche eines Lastwagens. Meine Mitfahrer, eine fröhliche Großfamilie und eine Irin, die mit einem Tonganer verheiratet ist, geben mir schnell einen Kurzeinblick ins tonganische Leben. Die erste Unterkunft für zwei Nächte in 'Angelas Guesthouse' bei einer chinesischen Familie.

Mit 35.000 Einwohnern und ohne Hochhäuser zählt Nuku'Alofa zu den kleinsten 'Metropolen' aller Länder.

Auf einer großen Parade anläßlich der Parlamentseröffnung mit Blaskapellen, Volkstanzgruppen, Schulkindern, Studenten und Soldaten, sehe ich gleich am Ankunftstag vermutlich den größten Teil der auf Tongatapu lebenden Bevölkerung.

Schnell gewöhne ich mich an das ruhige, unaufgeregte Leben in dieser beschaulichen Stadt am Pazifischen Ozean. Die Menschen freundlich und ausgeglichen. Der Verkehr langsam, trotzdem häufiger verstopfte Innenstadt - Straßen.

Das kleine Land in den Tropen, mit insgesamt nur etwa 100.000 Einwohnern, wird als Monarchie noch feudal regiert. Der Adel hat das Sagen. Trotz des Bevölkerungswunsches nach mehr Demokratie - das Parlament, nur ein Alibi.

Der 88-Jährige König, schwer krank in Auckland, Neuseeland, im Hospital. Mittlerweile ist er verstorben und sein Sohn, ehemaliger Kronprinz und auch in Europa bekannter Lebemann, hat das Zepter in der Hand.

Ein beliebter Treffpunkt für Expats ( ausländische Residents ), internationalen Travellern und Einheimischen ist das Friends - Café. Eine angenehme, fast koloniale Atmosphäre, hübsche, samthäutige Bedienungen mit Blüten im dunklen Haar, ein breites Angebot an Snacks, Kuchen und Getränken. Dazu kann man hier Bücher tauschen, eMails schreiben, Touren buchen und ...Südsee-Souvenirs kaufen.

Zentraler Einkaufspunkt ist die große, zweistöckige Markthalle. Alle agrarischen Erzeugnisse des Landes, Kunstgewerbe, Kitsch. Grundnahrungsmittel sind Knollen - Taro, Maniok, Tapioka - in allen Variationen Hits der einheimischen Küche.

Ich ziehe um zu 'Misa', einem knuffigen Südsee - Insulaner, ins Obergeschoß. Ein luftiges Zimmer mit zwei Fenstern. Ein Dutzend durcheinander gewürfelte Gäste, aus aller Herren Länder. Die taubstumme Schwedin, schwanger von einem Tonganer; das englische Mütterchen, hoch in den Siebzigern; der bullige und trinkfeste Däne, wie ein Wikinger aussehend; der Berliner Student; Helmut; und, und ...alle mit Familienanschluß. Krähende Kleinkinder, Hunde, Hühner und eine komplette, quiekende Schweinebande.

Sonntags nie! Fundamentalistisch christlich, dank erfolgreicher Missionarstätigkeit. Kein Bus, keine Restaurants offen usw. Aus den zahlreichen Kirchen dringen ganztags wunderschön gesungene Choräle.

Von Misa leihe ich mir ein Fahrrad - ein unbequemes, ausgeleiertes Mountain-Bike - für eine Insel-Erkundung. Bei der Wärme eine schweißtreibende Angelegenheit. Trotzdem schaffe ich vierzig Kilometer. Weil mir mein Freßbeutel vorn in die Speichen kommt, drehe ich eine ordentliche Radelle. Schadenfrohe Mädchen auf der Ladefläche eines vorbeifahrenden Pick-Ups.

Badehose, Schnorchel und Maske eingepackt. Ein Tagesausflug. Von der Queen Salote Jetty in einer Viertelstunde durch die nördliche Lagune nach Pangaimotu.

Der Rundgang dauert nur eine knappe Stunde. Baden, Schnorcheln, Abhängen.

Nach insgesamt einer Woche habe ich mich nicht nur gut eingelebt - ich bin jetzt sehr neugierig auf neue Inselabenteuer und ergreife die Initiative, los geht's!

Neiafu

Neiafu - Port of Refuge

Zur 300 km entfernten, nördlichen Inselgruppe Vava'u kann man entweder mit einer altersschwachen Fähre - vierzehn Stunden über die offene, bewegte Südsee - oder mit dem Flugzeug gelangen. Ich wähle die Douglas DC-3 Skyliner, einzige Maschine der Peau Vava'u Air. 28 komfortable Sitze für nur sieben Passagiere im 1949 gefertigten Oldtimer.

Sonores Brummen der Motoren in 1.800 ft ( ca. 500 m ) Höhe über dem Ozean. Riffe, Atolle, Inseln und Inselchen. Ich genieße den zweistündigen, ruhigen Flug in vollen Zügen. Ein einmaliges, unbezahlbares Erlebnis - für umgerechnet 72 €. Sichere Landung auf dem kleinen Airstrip des Lupepau'u International Airport von Vava'u.

Der Bus des Paradise Hotels bringt mich direkt zu meiner, vorher ausgesuchten Unterkunft - dem Vava'u Guesthouse. Für mehrere Tage bin ich gemeinsam mit dem Spanier Pepe der einzige Gast in der Herberge. Ich genieße den Nescafé, den er mir morgens kocht und die Gespräche mit ihm. ' What are you doing? ' ' Today? Nothing! '

Den Weg in die anderthalb Kilometer entfernte Stadt Niaufu gehe ich gerne zu Fuß, eine hübsche Strecke. Auf dem Sportplatz der Katholischen Schule sehe ich ab und an bei den ruppigen Rugby-Spielen zu. Auch genieße ich die Ausblicke oberhalb der Yachtclubs auf den 'Port of Refuge'.

Neiafu, mit 6.500 Einwohnern 'Hauptstadt' der Vava'u - Gruppe. Alle notwendigen Infrastruktur-Einrichtungen, sogar ein Hospital gibt es. Gern frühstücke ich bei der tüchtigen und netten Kalifornierin Victoria im 'Crow's Nest', direkt an der Jetty, dem Fähranleger. Die vorhandenen Internet - Cafés mit schneckenlangsamer Modem-Verbindung machen den Kontakt in die Heimat sehr mühselig.

Mehrere Restaurants, machmal auch von Expats betrieben, und stilvolle Hafenbars haben Namen wie 'Dancing Roaster', 'The Mermaids', 'Tonga Bobs Cantina' oder 'Bounty Bar'.

Abends ist oft mächtig was los in den Hafenbars. Livemusik, Kava-Sitzungen, Rugby-Übertragungen im Fernsehen, Südsee-Schönheiten. Hullygully immer freitags, Zahltag für die Einheimischen. Oft wird gleich ein großer Teil des Wochenlohns in schäumenden Gerstensaft der Marken 'Ikale' oder 'Royal Bitter' aus der königlichen Brauerei umgesetzt.

Traumstrände liegen außerhalb von Neiafu und auf den vorgelagerten Inseln. Die Deutsche Brigitte, die einen kleinen Elektrohandel mit Bungalow-Vermittlung betreibt, besorgt mir eine Bleibe am 'Lucky Beach' in Talihau auf der Insel Utungake.

Südseetraum Tonga

Glückliche Zeiten am Lucky Beach

Gisela und Matakaiongo holen mich pünktlich zur vereinbarten Zeit ab. Die mit mir gleichaltrige Gisela aus Deutschland und ihr zwanzig Jahre jüngerer tonganischer Mann betreiben die 'Lucky Beach Houses' unmittelbar am Südsee-Strand.

Von meiner Unterkunft, einem traditionellen tonganischen Fale ( Haus ), bin ich regelrecht begeistert. Luftig, ein ordentliches, französischens Bett mit Moskitonetz, der Blick direkt aufs Meer.

Ein weiteres großes Glück - Gisela ist eine begnadete Köchin. Sie kombiniert geschickt die gute deutsche mit der exotisch polynesischen Küche. Ein täglicher Genuß! Der schwergewichtige Matakaiongo, nebenbei noch Hilfspolizist von Talihau, kümmert sich geschickt um das Wohnhaus und um die drei Gästebungalows. Ich fühle mich ausgezeichnet aufgehoben, eher wie ein Freund denn als Gast.

Da vorreserviert, muß ich leider nach drei Nächten das Tongan Fale räumen und ziehe in ein komfortables, festes Beachhouse.

Bei längerem Aufenthalt ist die Benutzung eines Seekajaks im Preis inbegriffen. Damit erkunde ich die Umgebung und umrunde auch die gegenüberliegende Insel Mala mit dem 'Mala Rock Island Resort'. Hinter Mala liegen die 'Japanese Coral Gardens', nach meinen langjährigen Erfahrungen am Roten Meer, dem Indischen Ozean und dem mexikanischen Pazifik, einer der besten und farbigsten Schnorchelgründe weltweit. Schwimmen, wie in einem überdimensionierten Aquarium, voller exotischer Fische.

Die mittlerweile eingetroffene Annie aus Sydney paddelt jeden Tag zu 'ihrem' Privatstrand auf Mala Island. Manchmal droht, während sie liest oder schläft, ihr Seekajak von der Flut weggespült zu werden.

Oft nehmen mich Gisela und Matakaiongo mit ins achtzehn Kilometer entfernte Neiafu. Während sie ihre Einkäufe erledigen, checke ich meine eMails, hole Geld auf der NZ - Bank oder relaxe in einem Café oder einer Bar. Einmal gehe ich zum Haareschneiden, einem traditionellen Beruf von 'Fakaladies', hübsch angezogenen Transvestiten.

Ein besonderes Ereignis ist ein Beachfest, das wöchentlich von einer großen, einheimischen Familie für die Traveller, Yachties und die wenigen sonstigen Touristen abgehalten wird.

Geschmackvolles Kunstgewerbe, Leckereien aus dem Umo ( Erdofen ), Südseeklänge einer Liveband und dazu Tänze der Kinder - natürlich im Baströckchen. Gisela und Matakaiongo nehmen Annie, den neu angekommenden Martin aus Hessen und mich mit zum Hinakauea Beach.

Die Hälfte meines auf sieben Wochen angelegten Tonga - Aufenthaltes ist um. Jetzt heißt es Abschied nehmen vom Lucky Beach und den Menschen, die so freundlich und fürsorglich zu mir gewesen sind.

Gisela und Matakaiongo bringen mich im Morgengrauen zum Airport. Ein großes Freßpaket - eine Tagesration - bekomme ich noch zugesteckt. Und ...ab in die schöne Douglas DC 3, meinem derzeitigen Lieblingsflieger. In niedriger Flughöhe Richtung Süden zum mittleren Archipel - Ha'apai.

Uoleva

Ultimatives Uoleva

Eine dreiviertel Stunde in der Luft. Aussichten wie im Traum - Südseetraum.

Eigentlich sollte ich am Airport von Lifuka abgeholt werden. Fehlanzeige. So nehmen mich die Flughafenangestellten, nachdem sie den 'Laden' abgeschlossen haben - täglich kommen nur zwei Maschinen, mit nach Pangai, mit gut 2.000 Einwohnern der größte Ort der Inselgruppe Ha'apai. An der Jetty werde ich angesprochen - ja, der Deutsche, der nach Uoleva will, bin ich. Also klettere ich auf das kleine Boot von Boatsman Jim und los geht's. Eine Stunde dauert die gemütliche Fahrt südlich an der Insel entlang, bis Uoleva in Sicht kommt.

Bei der Landung begrüßt mich Daiana, sie betreibt mit Mann Kalifa, Sohn James und ihrem Neffen Mike 'Dainas Resort' - zehn Palmhütten und eine Küchenbude.

Insgesamt ist die Insel ca. vier Kilometer lang und anderthalb Kilometer breit. Endlose Sandstrände, dichter Dschungel mit Kokospalmen bis ans Wasser. Herrliche Schnorchelgründe mit unendlich vielen bunten Fischen, farbigen Korallen und einer Kolonie Clams, Riesenmuscheln. Insgesamt sieben Einwohner, keine Elektrizität; viele Lebensmittel und Trinkwasser müssen mit dem Motorboot aus Pangai gebracht werden.

Also... der Traum vom Robinson - Leben schlechthin!

In der ersten Nacht schlafe ich - gratis - in einem schnell aufgebauten Zelt. Dianas Resort ist mit 16 Abenteurern aus aller Welt überbelegt. Das gemeinsame Essen, zusammen mit der Familie, auch dank der Kochkünste von Daiana, immer ein Highlight.

Abends wird ein großes Strandfeuer angezündet. Internationales Palaver beim Kreisen der Captain Morgan - Flasche und den Gläsern mit - selbstgemachtem - Bushbeer. Viel Alkohol, wenig Geschmack - für harte Burschen.

Baden, Schnorcheln, Spaziergänge mit Muschelnsammeln, Lesen, Faulenzen. Paradiesisch!

Zwischendurch für drei Tage und zwei Nächte ein Tropensturm mit Dauerregen. Ich komme kaum aus meiner kleinen, dunklen Hütte heraus. Das Prasseln des Regens auf dem Dach, die tosende Brandung und das Heulen des Sturms - eine infernalische Gräuschkulisse. Toilettengänge zum dreissig Meter entfernten ' Häuschen ' werden zum Zickzacklauf zwischen den dauernd fallenden Kokosnüssen.

Mit Martin aus Hessen, den ich schon vom Lucky Beach auf Vava'u kenne, unternehme ich eine Wanderung zur Nordspitze der Insel. Beschwerlich, weil man nur am Strand entlang gehen kann, der Sand ist weich.

Nach einer - viel zu kurzen - Woche heisst es Abschied nehmen. Boatsman Jim steuert sein kleines Gefährt mit dem altersschwachen Außenborder sicher an den Riffen vorbei, nach Pangai. Dort wartet die Tochter von Daiana und Kalifa und liefert mich nach einer Rundfahrt über Lifuka und die nördlich mit einem Damm verbundene Insel Foa am 'Billys Place' ab.

Lifuka

Billys Place auf Lifuka

Auf der Ostseite von Lifuka, drei Kilometer von Pangai entfernt, in einem wilden, tropischen Dschungel gelegen - Billy's Place. Ein kleines Resort, einige hübsche Bungalows, nur dreissig Schritte vom Meer entfernt.

Geleitet von der tüchtigen 'Penny', Penelope. Ihr Verwandter Billy, mit dem sie auch den Rundfunksender 'Radio Ha'apai FM' betreibt, ist meistens zugedröht.

Alles ist in guter Ordnung, Strom gibt es allerdings nicht - wie auf Uoleva abends Petroleumlampen. Für die Gäste stehen Fahrräder, von den Neuseeländern ' Pushbikes ' genannt, zur Verfügung. Kokosnüsse sind gratis, müssen aber selbst mit einer langen Stange von den Palmen geholt und mit der Machete geöffnet werden.

Das Frühstück wird von den Gästen auf der großen, offenen Terrasse gemeinsam eingenommen. Entspannt draußen sitzen, genüßlich Schlemmen und Kontakte knüpfen. Meistens sind es Neuseeländer, dort sind gerade Winterferien und zumindest auf der Südinsel ist's auch empfindlich kalt.

Zum Glück ist es bis nicht weit bis nach Pangai. Mit dem Gratis-Pushbike eine Viertelstunde gemütlich durch die Kokos- und Knollenplantagen radeln. Selten habe ich woanders ein so veschlafeneres Nest gesehen. Aber, da Pangai einen, weithin hörbaren, Generator laufen hat, gibt es Elektrizität. In einer Zweigstelle der Tonga - Universität kann ich endlich meine eMails checken und auch Grüße in die Heimat senden. Eine Handvoll Geschäfte, zwei kleine Bankfilialen und die Jetty mit den Booten zu den Nachbarinseln - das ist es schon fast.

Einziges Restaurant der ganzen Inselgruppe, das 'Mariners Café' des Autraliers Trevor, ist Treffpunkt für Einheimische und ausländische Gäste. Abends geht es schon mal hoch her. Hier darf ich meine Akkus für die Digitalkamera aufladen. Auch sonst ist Trevor ein feiner Kerl, der allein in der kleinen Küche wirbelt und schmackhafte Gerichte zaubert. Neben frischem Fisch war seine vorzügliche Pizza Hawaii mein Lieblingsgericht.

Besonders unsere Fahrten durch den nächtlichen Busch werden mir in hervorragender Erinnerung bleiben. Die Pushbikes unbeleuchtet, ein prächtiger Sternenhimmel, ungetrübt durch Wolken oder etwaiger ' Lichtverschmutzung '. Russell springt vom Rad und fragt mich: 'Hast Du schon einmal das Kreuz des Südens gesehen?' Ich bin wirklich sehr beeindruckt und begeistert.

Eines abends, wir sitzen beim Dinner auf der Terrasse, ruft Billy, der sonst nicht viel mitbekommt: 'Whale, whale!'. Tatsächlich platscht und prustet ein Buckelwal einige hundert Meter von unseren Tischen entfernt durch die blaue Südsee. Mein erster Wal.

Ein größerer Tagesausflug mit dem Fahrrad. Am geschlossenen Tor der Straße, die direkt über das Rollfeld des Flughafens führt, muß ich warten, bis die DC 3 von Peau Vava'u Air sicher abgehoben hat. Zur nördlichen Insel Foa ist ein Damm gebaut, ich durchquere mehrere ursprüngliche Dörfer und gelange, ordentlich in Schweiß, zum Sandy Beach Resort des Hamburgers Jürgen.

Er hat sich in Jahren harter Arbeit ein Juwel gebaut, europäischer Luxus in den Tropen. Die Preise sind entsprechend. Ich sitze auf der Terrasse, genieße den Ausblick auf die Südsee, trinke einige 'Royal Bitter' und höre, wie sich ein junger Deutscher bei Jürgen beschwert: 'Ooch, schon wieder Lobster!' Das Leben kann so schwer sein.

Eine Woche ist ja nun nicht besonders lang, auch wenn die meiste Zeit süßes Nichtstun angesagt ist. Der Abschied fällt mir wirklich schwer. Billys Place und die herzlichen, neuseeländischen Mitgäste - zum Teil habe ich heute noch eMail-Kontakt und den festen Plan, der Einladung 'bed is waiting' ins Kiwi-Country im November 2008 zu folgen - habe ich in mein Herz geschlossen.

Billy bringt mich und meinen Rucksack mit dem Pickup zum nahegelegenen Flughafen. Mein Lieblingsflieger, die historische DC 3, startet, diesesmal voll besetzt, zum Domestic Airport von Tongatapu. Auf zu neuen Abenteuern.

Eua

Raues Eiland Eua

Es ist noch früh am Morgen, als wir sicher auf Tongatapu landen. Die kleine Maschine nach Eua soll erst am Abend fliegen, so entscheide ich mich für die Fähre. Ein Taxi bringt mich zur Queen Salote Jetty, die Fähre wartet schon.

Mich beschleicht ein beklemmendes Gefühl, mit dieser Nußschale wollen wir über den offenen Ozean fahren? Egal, Ticket kaufen und warten, was passiert. Das Bötchen füllt sich, sogar zwei Autos werden verladen.

Ich setze mich auf das Geländer am Bug und genieße die Aussicht auf die umliegenden Inseln des Atolls. Die Maschine wird angelassen, wir legen ab. Solange wir noch in der Lagune sind und der Kapitän die zahlreichen Riffe sicher umschifft, ist nichts zu meckern.

Mit einer einfachen Schnur und Haken fangen Mitreisende so zwischendurch einen großen Fisch, eine spannende Abwechslung.

Die See wird bewegter und ich muß mich kräftig am Geländer festhalten, auf dem ich sitze. Bei der Ausfahrt aus der Lagune schwappen die Wellen höher und nicht nur ich bekomme einen nassen Hintern. Hinzu pfeift der kräftige Wind, es wird unangenehm kühl. Ich entschließe mich, für den Rest der Überfahrt in die stickige Kabine zu gehen. Es ist voll und schon Einige opfern Rasmus.

Wieder nach draußen ist keine Alternative. Inzwischen rauschen die Wellen über das Dach der Fähre und alle, die dort gesessen haben, kommen pudelnaß heruntergekrochen. Der dreihundert Meter hohe Bergrücken der Insel Eua ist schon länger zu sehen. Ich bin wirklich froh, als der kleine, geschützte Hafen von Ohonua in Sicht kommt und der dreistündige Höllenritt zu Ende geht.

Der Wellengang bleibt so stark, dass die Fähre zwei Tage lang nicht wieder auslaufen kann. Natürlich können die kleinen Fischerboote erst recht nicht hinaus.

Zu Fuß wandere ich durch den kleinen Ort und weiter nach Süden. Ein Lastwagen nimmt mich mit bis zum 'Hideaway Resort'. Mit sechs Doppelzimmern und zwei Bungalows ist die bekannteste Unterkunft der Insel hoffnungslos zu klein.

Der nette Besitzer Tucky ist pfiffig und bringt einen Teil der ankommenden Traveller im nächsten Dorf unter. Ich teile mein Doppelzimmer zuerst mit dem australischen Studenten John aus Canberra und dann mit dem polnischen ' National Geography ' - Fotografen Thomas Thomaschewski. In beiden Fällen eine ausgezeichnete Lösung.

Treffpunkt der kosmopolitischen Gäste aus aller Herren Länder ist das offene Restaurant der Anlage. Täglich sind bereits beim Frühstück vorbeiziehende Buckelwale zu beobachten. Whalewatching vom Feinsten. Wir alle sind begeistert. Aber nicht nur die Wale verbinden die Reisenden, den ganzen Tag über interessante Gespräche - vielschichtige Themen unterschiedlichster Gebiete.

Zum Dinner gibt es keinen Fisch - weil die Fischerboote nicht hinausfahren können. Dafür 'chicken' in fünf verschiedenen Variationen. Ich mag überhaupt kein Geflügel und habe schlechte Karten. Die Küchencrew zeigt Erbarmen, zur Abwechslung kommen Spanferkel auf den Tisch.

Die Erkundung der ungefähr dreissig Kilometer langen Insel auf eigene Faust ist langwierig, anstrengend und nicht ohne Gefahr. Besonders der tropische Regenwald im Eua National Park hat es in sich. Deshalb ist eine ganztägige, organisierte Tour mit vierradgetriebenen Jeeps eine gute Wahl. Tucky hat die richtigen Verbindungen.

Tourguide Joe holt uns morgens ab, erst einmal lernen wir im nächsten Dorf die Menschen bei der täglichen Arbeit kennen. Aufwendige manuelle Herstellung der begehrten und kostbaren 'Tapa Cloth' sowie Ernte und Weiterverarbeitung von Vanille.

Danach wird es steil. Durch schlammige Hohlwege wühlt sich der Jeep, zum Glück mit 4WD, in Richtung Kammhöhe des National Parks. Eua hat den einzigen tropischen Regenwald Tongas mit den nur hier vorkommenden white-tailed tropic birds und den kreischenden Eua Papageien.

Joe kennt jeden Schritt und Tritt im nahezu undurchdringlichen Dschungel. Das ist auch nötig, denn im Gewirr von überwucherten Sinklöchern, Höhlen und steilen Abgründen kommt es immer wieder zu Todesfällen durch Abstürze von Wanderern. Zum Spaß schwingen wir an langen Lianen - wie Tarzan. Die Lookouts, wie Schwalbennester an den Fels gebaut, bieten spektakuläre und atemraubende Ausblicke. Unter uns ziehen Flughunde, Papageien und weiße Langschwanz - Tropenvögel ihre Kreise.

Durch die 'Rats Cave' muß man wie eine Ratte kriechen, daher auch der Name. Am Ende - umdrehen und rückwärts zweieinhalb Meter hinunterlassen auf einen 50 cm - Vorsprung über dem Abgrund. Ohne Netz und Haltegurt. Von dort weiterkriechen bis in die richtige Höhle. Die Knie werden weich, das Herz pocht, Adrenalin pur! Mit Abstand meine gefährlichste Unternehmung der ganzen Reise. Hätte ich das vorher gewußt, ich wäre nicht mitgekrochen.

Am sogenannten 'Rockgarden' kommen wir direkt bis an die Klippenküste. Vierzig Meter über dem Wasser machen wir Rast. Jetzt kann uns nichts mehr erschüttern.

Ein besonderes Highlight hat sich Joe bis zum Schluß aufgehoben - die Blowholes. Durch die beständige, starke Brandung sind Kanäle in den Fels gewaschen worden, durch die nun die heranströmenden Wassermassen gedrückt werden. Eindrucksvolle Fontänen das Ergebnis.

Viel zu schnell gehen die abenteuerlichen Tage auf Eua für mich zu Ende. Die Fähre nach Tongatapu möchte ich nicht wieder nehmen, der kurze Flug ist auch nur unwesentlich teurer. Tucky bringt mich mit dem Landrover zum 'Airport', einem Airstrip mit einer Bude als Abfertigungsgebäude. Wie immer bei den Inlandsflügen gibt es keinerlei Kontrollen, aber wie stets üblich... neben dem Gepäck wird auch jeder Passagier gewogen.

Airlines Tonga wird von Air Fiji betrieben. Die kleine Maschine, eine chinesische Entwicklung nach Art der kanadischen 'Twinotter', ist eng und laut, aber schnell. Viermal hintereinander fliegt sie in zwölf Minuten, mit jeweils 17 Passagieren voll besetzt, von Eua nach Tongatapu - ich bin beim dritten Mal dabei.

Eua

Heilala Lodge, Tongatapu

Meine letzten Tage im Inselparadies Tonga möchte ich entspannt und komfortabel verbringen. Mehrfach haben unterwegs andere Traveller positiv von der 'Heilala - Lodge' der Deutschen Waltraut und ihrem Sohn Sven berichtet. Die telefonische Reservierung ist erfolgreich, sogar das versprochene Taxi wartet am Airport.

Fünf Kilometer von Tongas Hauptstadt Nuku'Alofa entfernt, haben die beiden tüchtigen Auswanderer in jahrelanger Schwerarbeit ein richtiges, kleines Paradies geschaffen. Ein Gästehaus und sechs traditionelle Fales, idyllisch in einem richtigen botanischen Tropengarten gelegen. Wenn das gelegentliche Kläffen nachbarlicher Hunde nicht wäre, eine absolute Oase der Ruhe und Entspannung für die zum Teil sehr anspruchsvollen Gäste.

Waltrauts gekonnter Mix aus europäischer und polynesischer Küche, stilvoll im gemütlichen Restaurant serviert, ein zusätzliches Highlight.

Schnell ergeben sich, wie überall im Kingdom, gute Kontakte zu anderen Gästen, zum Teil bis heute per eMail aufrecht erhalten. Weltreisende haben viel zu erzählen.

Der Weg in die Stadt - per Autostop, Bus oder gemeinsam im Taxi - ist nicht weit. Dort sind keine Sensationen im ruhigen Tagesablauf zu erwarten. Gern sitze ich im 'Friends-Café', oder auch beim perfekten Capuccino im Café vor dem Kooperativen Supermarkt. Souvenirs sind zu besorgen, im Obergeschoß des Talamahu Markets ist das Angebot am breitesten. Bei der National Reserve Bank kaufe ich für einen Freund Sammlermünzen.

Die Besichtigung der Sehenswürdigkeiten von Tongatapu steht noch aus. mein letzter Sonntag bietet sich dafür an. Gemeinsam mit der Kalifornierin Veronica werde ich im Kleinbus abgeholt. Zusammen mit einem Neuseeländer und einem älteren Ehepaar aus Australien lernen wir die gesamte Insel kennen. Es lohnt sich - wirklich.

An einer Traumbucht machen wir nach Besichtung der Anahulu Cave - einer Tropfstein-Höhle, die wir mit Kerzen über schlüpfrige Stufen erwandern - Lunchpause. Direkt hinter dem weißen Strand ein kleiner Begräbnisplatz, mit Blick auf die türkisfarbene Südsee. In Tonga ein häufig gewählter Platz für Dorf-Friedhöfe.

Bei der Besichtigung historischer Begräbnisstätten begegnen wir dem derzeitigen Premierminister von Tonga. Da ihn unser Tourguide flüchtig kennt, kommen wir ins Gespräch. Er ist mit den bevorstehenden Trauerfeierlichkeiten für einen Neffen des Königs und dessen Frau befasst. Beide sind auf einer Werbetour für Tonga in Kalifornien tödlich verunglückt.

Der erste Premierminister, mit dem ich bislang gesprochen habe. Er trägt übrigens den traditionellen Wickelrock der Tonganer aus Pandanus-Matten. Fürs Leben unvergeßlich. Das wird mir diese Reise nach Tonga in die Südsee bleiben. Nicht nur so dahin gesagt - ein erfüllter Kindheitstraum eben.

Das Taxi ist bestellt. Gemeinsam mit Laetitia und Rudi aus Frankreich fahre ich abends nach einem letzen schönen Dinner zum Airport, internationale Abteilung diesmal. Bis Apia auf Samoa reisen wir gemeinsam. Für mich geht es zurück nach Hause, die Beiden haben noch einige Monate Polynesien vor sich.

Tonga Tapu

Glückliche Rückkehr

Heimreisen sind immer von Wehmut begleitet. Am liebsten würde ich mich nach Hause 'beamen' lassen. Aber sechsunddreissig Stunden in verschiedenen Flugzeugen stehen mir noch bevor.

Der Flug mit der Boeing 767 von Air New Zealand bis nach Apia in Western Samoa dauert nur anderthalb Stunden. Witzig ist dabei, dass wir am 18. Juli um 22 Uhr losfliegen, die Datumsgrenze überqueren und am 17. Juli, also am Vortag, um 23 Uhr 30 auf Samoa landen. Dort soll der Aufenthalt nur eine Stunde dauern. Eine ordentliche Verzögerung gibt es, weil zeitweilig die Gepäckstücke von fünfzig Tonganern 'verschwunden' sind.

Dadurch schrumpft meine Umsteigezeit auf dem Flughafen LAX von Los Angeles. Dummerweise gibt es in den USA keine Transitbereiche, man muß immer einreisen. Das bedeutet Paßkontrolle, digitales Gesichtsfoto und Abdrücke beider Zeigefinger. Zum Tom Bradley International Terminal, von dem die Lufthansa fliegt, fahre ich mit dem Bus. Beim Einchecken wieder einer US - amerikanische Besonderheit, auch die Schuhe müssen ausgezogen und auf das Durchleuchtungsband gelegt werden.

Endlich, mein Platz im Lufthansa-Jumbo ist gefunden. Die Türen werden geschlossen, nichts passiert weiter. Der Flugkapitän meldet sich und berichtet von einem totalen Stromausfall bei der Flugsicherung. Nichts geht mehr, und das auf einem der frequentiertesten Airports weltweit. Nach anderthalb Stunden die Meldung, dass die Computer so langsam wieder hochgefahren werden. Auf dem Rollfeld warten mittlerweile über 60 Maschinen auf die Startgenehmigung, sie soll nach einer geordneten Reihenfolge erfolgen.

O.K., dann sind wir in der Luft - mit drei Stunden Verspätung.

Es ist leicht auszurechnen, dass es mit meinem Anschluß in Frankfurt knapp werden wird. Kurz vor der Landung setze ich mich dicht an den Ausgang und spurte dann gleich los, durch alle Kontrollen, zum entfernten Gate der Hannover - Maschine. Gerade noch geschafft.

Mit dem 319er-Airbus ist das letzte Stück ein Katzensprung. Endlich kann ich meine liebe Uschi wieder in die Arme schließen. Sie hat eine kleine Überraschung für den Weltreisenden - kurzer Urlaub winkt. Eine viertägige Fahrradtour an die Weser, als feine Abwechslung.

Mein strapazierter Rucksack ist noch unauffindbar. Ich bange vor allen Dingen um meine Muschelsammlung. Nachforschungen ergeben, dass er, mein einziges Gepäckstück, in Los Angeles 'hängengeblieben' ist. Eine Woche später erst bringt ihn ein Kurier - direkt bis an die Haustür. Wieder einmal - Glück gehabt!

Uoleva

Traumhaftes Südsee-Feeling auf den Freundschafts-Inseln - im Königreich Tonga.

Traumreiseziele ganz easy