Höllenflug über Mexico


Durch heftigste Turbulenzen über die Sierra Madre del Sur - In einer Twin Otter.

 Von Oaxaca im zentralen Hochland nach Puerto Angel an die Küste des Pazific.

Bei den Travellern, die in den siebziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts in Mexico auf der Suche nach Freiheit und Abenteuer waren, gab es einen Geheimtipp - 'nach Zipolite mußt Du gehen!' Zipolite, Zipolite... war zwar auf keiner Landkarte zu finden, wurde dann aber doch nahe dem winzigen Hafenstädtechen Puerto Angel am Pazific unweit zur Grenze von Guatemala ausgemacht.

Zwischen der Provinzhauptstadt Oaxaca und Puerto Angel lagen schier unüberwindlich die schroffen Berge der Sierra Madre del Sur. Mehr als 12 Stunden sollte die beschwerliche Fahrt in endlosen Kurven im altersschwachen Linienbus dauern. Gut, ein Flug war preiswert, nichts wie hin zum kleinen Airport. Auf dem Rollfeld wartete schon die DeHavilland DHC-6 Twin Otter der Fluggesellschaft Aeronaves Alimentadores Mexico.
 
Mein kleiner Rucksack kam in den Bugstauraum der kleinen Maschine und ich nahm mit weiteren 16 Passagieren auf Stühlen wie im seligen 2 CV Platz. Ein Automat spendete erfrischende Cola aus Pappbechern. Die zwei braungebrannten mexikanischen Piloten, mit großen Sonnenbrillen und dicken Goldarmbändern ausstaffiert, sassen unmittelbar vor uns.

Unter Motorengedröhn klappte der Start in flirrender Mittagshitze erwartungsgemäß reibungslos, allerdings begannen schon über der Hochebene in Sichtweite des historischen Monte Alban ordentliche Turbulenzen. Wer häufiger fliegt kennt sie ja, die Turbulenzen, aber... das hier war schon etwas Besonderes!

Die kleine Maschine tanzte regelrecht in der Luft, sackte oft durch, fiel in tiefe Luftlöcher und wurde ständig durchgeschüttelt, mal zeigte der Bug nach oben, mal nach unten, die Twin Otter kippte nach rechts, nach links. Die Piloten drehten sich ab und an zu den überwiegend einheimischen Fluggästen um und machten Witze über deren grünlich eingefärbten Gesichter.

Egal, wir kamen voran und sahen die schroffen Bergspitzen der Sierra Madre del Sur, mit der Wolkenhaube obenauf und genau durch einen winzigschmalen Spalt zwischen den Wolkenbergen und den Berggipfeln steuerten unsere wackeren Mexikaner hindurch,  gejagt durch weiterhin heftigste Turbulenzen. Anhand der von mir geschossenen Fotos kann die Stimmung erahnt werden.
 
Glücklicherweise ging alles gut - tausend Ave Maria - und wir erreichten die zerklüftete Meeresküste des Pazifischen Ozeans mit ihren menschenleeren Badebuchten. Aus niedriger Höhe konnten die hungrigen Haifische gezählt werden. Die Landung auf dem unbefestigten Airstrip von Puerto Angel war für unsere lässigen Mexikaner ein Kinderspiel.
 
Das Taxi zum Hafen war ein alterschwacher Truck, jetzt waren es nur noch anderthalb Stunden Fußmarsch durch sengende Hitze bis nach... Zipolite.

Zipolite, Zipolite - der erfüllte Traum von Freiheit und Abenteuer, für eine lange Woche. Aber... das ist eine andere Geschichte und wird - vielleicht - mal ein weiterer Beitrag auf Globetrotter-Fotos.de.

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